Brandschutznachweis 24
Wohnungsbau ab Gebäudeklasse 3

Brandschutznachweis Mehrfamilienhaus

Anforderungen, Kosten und typische Konstellationen für Mehrfamilienhäuser in den Gebäudeklassen 3 und 4 nach Landesbauordnung.

Abgrenzung

Was als Mehrfamilienhaus gilt

Im Sinne der Bauordnung ist ein Mehrfamilienhaus ein Wohngebäude mit drei oder mehr Wohneinheiten. Die Einordnung in eine Gebäudeklasse erfolgt nicht über die Anzahl der Wohnungen, sondern über die Höhe der Oberkante Fußboden des höchstgelegenen Aufenthaltsraums über Geländeoberfläche und über die Größe der einzelnen Nutzungseinheit.

Liegt diese Höhe bei bis zu 7 Metern, fällt das Gebäude in Gebäudeklasse 3. Bis 13 Meter und mit Nutzungseinheiten bis 400 Quadratmeter ist es Gebäudeklasse 4. Über 13 Meter beginnt Gebäudeklasse 5, ab 22 Meter zählt es als Hochhaus mit eigenständigen Anforderungen.

Die Form des Brandschutznachweises folgt der Klasse. In Gebäudeklasse 3 reicht meist ein tabellarischer Nachweis. In Gebäudeklasse 4 kann je nach Bauweise und Bundesland ein konstruktiver Nachweis sinnvoll sein, vor allem bei Holz oder Hybridbauweise.

Schwellen
  • GK 3: Höhe bis 7 m, sonstige Wohngebäude
  • GK 4: Höhe bis 13 m, NE bis 400 m²
  • GK 5: über 13 m, alle übrigen Gebäude bis 22 m
  • Hochhaus: ab 22 m über Gelände, eigenständige Richtlinie
Rettungsweg

Treppenraum als notwendiger Rettungsweg

Der notwendige Treppenraum ist im Mehrfamilienhaus die zentrale Rettungsstrecke. Er muss bauliche Standards einhalten, weil er im Brandfall sowohl der Selbstrettung als auch der Fremdrettung durch die Feuerwehr dient. Anforderungen an Wand, Decke, Tür und Beleuchtung sind im Detail geregelt.

Wand und Decke

Wände in Gebäudeklasse 3 mindestens F30 A, ab Gebäudeklasse 4 F60 A, ab Gebäudeklasse 5 F90 A. Decken entsprechen der Anforderung des Geschosses.

Türen

Wohnungsabschlusstüren rauchdicht selbstschließend, in Gebäudeklasse 5 zusätzlich Feuerwiderstand T30. In notwendigen Fluren sind Rauchschutztüren Pflicht.

Beleuchtung

Treppenräume müssen tageslichtbeleuchtet sein oder eine Sicherheitsbeleuchtung erhalten. Bei innenliegenden Treppen kommt eine Rauchabführung dazu.

Sicherheitstreppenraum

In dichten Innenstadtlagen ohne Aufstellfläche oft die Lösung für den zweiten baulichen Rettungsweg. Vorraum, Tür T30 RS, Druckbelüftung.

Der zweite Rettungsweg ist im Mehrfamilienhaus nicht immer baulich. Bis Gebäudeklasse 4 mit Aufstellfläche reicht die Drehleiter der Feuerwehr. Bei höheren Geschossen oder fehlender Aufstellfläche wird ein zweiter baulicher Rettungsweg verlangt, etwa über einen Sicherheitstreppenraum oder eine zusätzliche Außentreppe.

Bauteile

Wohnungstrennwand und Geschossdecke

Die Wohnungstrennwand ist im Mehrfamilienhaus eine zentrale Bauteilanforderung. Sie trennt Nutzungseinheiten brandschutztechnisch und begrenzt die Brandausbreitung zwischen Wohnungen. In Gebäudeklasse 3 reicht in der Regel F30 A, in Gebäudeklasse 4 F60 A. Die Mindeststandsicherheit der Decke ist mit der Anforderung verknüpft.

Geschossdecken liegen klassisch in Stahlbeton 18 oder 20 cm und erreichen damit F90 A. Holzbalkendecken müssen über eine Klassifizierung nach DIN 4102 Teil 4 oder über eine geprüfte Bauart F30 oder F60 nachweisen, abhängig vom Geschoss. Brettsperrholzdecken erreichen mit Beplankung 2x12,5 mm GKF und Estrich häufig F60 oder F90.

In der Detailausführung entscheiden die Anschlüsse. Trennfugen, Stoßstellen und Durchführungen müssen schalltechnisch und brandschutztechnisch konsistent gelöst sein. Hier zeigt sich, ob die Planung präzise ist oder ob Korrekturen in der Bauphase erforderlich werden.

BauteilGK 3GK 4GK 5
WohnungstrennwandF30 AF60 AF90 A
GeschossdeckeF30F60F90
TreppenraumwandF30 AF60 AF90 A
WohnungstürRSRST30 RS
Schachtschottung

Schächte und Leitungsdurchführungen

Schächte und Leitungsdurchführungen sind im Mehrfamilienhaus die häufigsten Schwachstellen. Wenn ein Installationsschacht durch mehrere Geschosse läuft, ist er ein potenzieller Brandweiterleitungspfad. Der Nachweis muss zeigen, wie diese Wege geschlossen sind.

Schachtwände

Mindestens F30, in Gebäudeklasse 4 oder 5 F60 oder F90. Die Wände bilden den Brandabschnitt um den Schacht.

Geschossschotts

An jeder Geschossdecke ein Schott mit gleicher Feuerwiderstandsklasse wie die Wand, ausgeführt nach Verwendbarkeitsnachweis.

Leitungsführung

Querungen notwendiger Flure und Treppenräume sind grundsätzlich kritisch. Wenn unvermeidbar, mit zugelassener Schottung und Bauartgenehmigung.

Kosten

Was kostet der Nachweis fürs Mehrfamilienhaus?

Der Festpreis hängt von Gebäudeklasse, Anzahl der Wohneinheiten und Bauweise ab. In Gebäudeklasse 3 mit drei bis sechs Einheiten liegt die Spanne zwischen 690 und 1.290 Euro. In Gebäudeklasse 4 mit Aufstockung oder Holzhybrid steigt sie auf 990 bis 1.690 Euro. Sicherheitstreppenraum, Druckbelüftung oder besondere Sonderbau Aspekte führen schnell auf 2.000 Euro und mehr.

KonstellationFestpreis SpanneBearbeitung
3 Einheiten, GK 3, Massivbau690 bis 990 Euro5 Werktage
6 Einheiten, GK 3, Massivbau890 bis 1.290 Euro5 bis 7 Werktage
8 Einheiten, GK 4, Holzhybrid1.290 bis 1.690 Euro7 bis 10 Werktage
12 Einheiten, GK 4 mit Sicherheitstreppenraum1.690 bis 2.490 Euro10 bis 14 Werktage
Praxis

Stadtvilla in Hamburg, sechs Einheiten

Vier Geschosse, Holzhybrid mit Brettsperrholzdecken, Treppenraum als Sicherheitstreppenraum geplant. Der Anschluss der Holzdecken an den massiven Treppenraum verlangt eine besondere Detailbetrachtung. Die Bauaufsicht fordert zusätzlich die Vorlage einer Bauteilprüfung K2 60 für die Brettsperrholzdecke.

Spannend wird die Prüfung im Detail: Eine Installationsleitung quer durch den Treppenraum verlangt eine Schottung mit allgemeiner Bauartgenehmigung. Das Detail wird nachgereicht, das Gesamtprojekt durchläuft die Prüfung anschließend ohne weiteren Befund.

Eckdaten
  • 4 Geschosse, GK 4, BGF 1.180 m²
  • Brettsperrholzdecken K2 60 mit Estrich
  • Sicherheitstreppenraum mit Vorraum
  • Honorar Nachweis 1.490 Euro
  • Bearbeitung 9 Werktage
Fehlerbild

Häufige Fehler im Mehrfamilienhaus

Aufstellfläche fehlt

Im Innenhof ohne Drehleiterstellung muss der zweite Rettungsweg baulich gelöst werden. Sicherheitstreppenraum oder zweite Treppe sind die Standardantworten.

Holzdecken ohne Prüfung

Brettsperrholz ohne Verweis auf Bauteilprüfung oder Bauartgenehmigung ist nicht prüffähig. Belege gehören in den Bauteilkatalog.

Schächte überquert

Querung von Treppenräumen mit Lüftung oder Strom kollidiert mit dem Konzept. Frühzeitig in der Entwurfsphase prüfen.

Falsche Türklassifizierung

Wohnungsabschlusstüren sind nicht zwingend T30. In Gebäudeklasse 3 reicht häufig die Klassifizierung rauchdicht und selbstschließend.

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Synergie
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FAQ

Häufige Fragen

Ab welcher Größe gilt ein Wohngebäude als Mehrfamilienhaus?

Im Bauordnungsrecht ist ein Mehrfamilienhaus ein Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen. Die Einstufung in eine Gebäudeklasse erfolgt jedoch über Höhe und Größe der Nutzungseinheit, nicht über die Anzahl der Wohnungen.

Welche Bauteile sind kritisch?

Treppenraumwände, Wohnungstrennwände, Geschossdecken, Wohnungsabschlusstüren und Schächte. Diese Bauteile sichern Brandabschnitt und Rettungsweg, sie werden im Bauteilkatalog vollständig dokumentiert.

Reicht ein tabellarischer Nachweis im MFH?

In Gebäudeklasse 3 in der Regel ja. In Gebäudeklasse 4 oder 5 wird häufig ein konstruktiver Nachweis ergänzt, vor allem bei Holzhybrid oder bei Sicherheitstreppenräumen.

Was kostet der Nachweis im MFH?

Festpreise starten bei rund 690 Euro für GK 3 mit drei Einheiten, gehen bis 1.690 Euro für GK 4 mit Holzhybrid und können bei besonderen Anforderungen darüber liegen.

Ist ein Brandschutzkonzept erforderlich?

Ein Konzept wird in der Regel bei Sonderbauten oder bei Abweichungen vom Regelfall verlangt. Im klassischen Wohnungsbau bis Gebäudeklasse 4 reicht meist der Nachweis.

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Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Brandschutznachweis nach Landesbauordnungen, MBO und DIN 4102/EN 13501.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 9. Juni 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • Sonderbauverordnungen (SBauVO NRW, VStättVO)
  • Musterbauordnung MBO
  • Landesbauordnungen der 16 Bundesländer
  • DIN EN 13501 Klassifizierung
  • DIN 4102 Brandverhalten
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 9. Juni 2026.

KI und redaktionelle Prüfung

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